Unternehmenschronik

Am 17.08.1910 wurde der Firmengründer, Hans Rudek, in Keltsch/ Oberschlesien geboren. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Kunst- und Bauschlosser, die er 1928 abschloss. Der Grundstein für die spätere Firmengründung wurde 1930 mit dem Erwerb des Führerscheins Klasse II gelegt. Im Dezember 1938 heiratete er Friedel Schulze, die den einjährigen Sohn Günther mit in die Ehe brachte. 1939 wurde sein Sohn Hans-Joachim geboren. Während des Zweiten Weltkriegs war Hans Rudek, nach Zugehörigkeit in der Reichswehr, Berufssoldat bei der Wehrmacht. Nach Kriegsende gründete er im Mai 1945 zusammen mit Karl Barny die Firma Baru.
Die beiden Teilhaber bauten aus verschiedenen Einzelteilen ihren ersten mit einem Holzgasgenerator betriebenen Lkw zusammen. Er erhielt das polizeiliche Kennzeichen Nr. 90 und war somit das 90. im britischen Sektor zugelassene Fahrzeug.
Der erste aufgebaute Omnibus war im Juli 1945 einsatzbereit. Dieser befuhr vom 01.08.1945 an die Linie 31 vom Rathaus Spandau nach Staaken zu einem Fahrpreis von 30 Pfennig.
1947 wurde die erste Interzonenlinie von Berlin nach Hannover eingerichtet. Nach dem Ende der Berlin-Blockade 1949 besaß die Firma bereits drei Omnibusse, so dass der Omnibusverkehr auf Gelegenheits- und Ausflugsfahrten ausgeweitet werden konnte.
Im Jahre 1950 eröffnete das erste Reisebüro, womit die Grundlagen für den Ferienzielverkehr gelegt wurden. Erstes Zielgebiet war Bayern.
Ein Jahr später trennte sich Hans Rudek von seinem Partner und führte das Unternehmen unter dem neuen Namen HARU weiter. Er musste von nun an neben der Tätigkeit als Busfahrer auch die Erweiterung des Reiseangebots und die Leitung seines Unternehmens organisieren. Bis Anfang der 60er Jahre, HARU hatte bereits 25.000 - 30.000 Fahrgäste pro Jahr befördert, arbeitete er selbst als Fahrer mit.
Die Firma HARU Reisen ist noch heute ein Familienbetrieb, denn nach ihrer Ausbildung zum Reisebürokaufmann traten die beiden Söhne Günther und Hans-Joachim 1957 und 1958 in die Firma ein. Unter der Anleitung des Seniorchefs übernahmen sie nach kurzer Zeit wichtige Funktionen in Eigenverantwortung. Günther Schulze war für die Bereiche Reisebüros, Verwaltung, Omnibuslinienverkehr und Pauschalreisen verantwortlich, während Hans-Joachim Rudek den Omnibusfuhrpark leitete.
Durch die sehr gute Geschäftslage war es dem Unternehmen möglich, zusätzliche Betriebe aufzukaufen. Auch erwarb man weitere Genehmigungen für Omnibuslinienverkehre zwischen West-Berlin und dem damaligen Bundesgebiet. Um den Ansprüchen der Westberliner Bevölkerung noch besser gerecht zu werden, betätigte sich HARU als Gesellschafter in der Flug-Union Berlin, der Touristica Ferien- und Freizeitreisen GmbH und in der BerlinLinienBus GmbH. Letzterer gehört HARU Reisen noch heute als Gesellschafter an.
Im Jahre 1968 wurde die HARU Reisen KG gegründet. Als Komplementär zeichnete Hans Rudek, während seine beiden Söhne als Kommanditisten an der Firmenleitung beteiligt waren.
Das Unternehmen BBS - Berliner Bären Stadtrundfahrt GmbH wurde 1983 von der HARU Reisen OHG übernommen. Seit der Gründung 1946 wurden bis dahin ausschließlich Stadtrundfahrten mit internationalem Publikum durchgeführt. Heute veranstaltet die Berliner Bären Stadtrundfahrt GmbH nicht nur Stadtrundfahrten. Vielmehr ist BBS auf die Durchführung jeglicher Personenbeförderung spezialisiert, sowie auf die Planung und Ausführung von Incentives (Events), Konferenzen, Damen- und Rahmenprogrammen, Hotelreservierungen für Gruppen, Einzel- und Gruppenreisen, Sonderfahrten und Sonderprogrammen, Rundreisen und insbesondere Betriebsausflügen.
Weiterhin ist BBS auf den internationalen Märkten im Gruppen-, Incentive- und Kongressveranstaltungsgeschäft engagiert. Zusammen mit HARU verfügt BBS über einen Fuhrpark mit einer Gesamtkapazität von mehr als 1.200 Plätzen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1983 wurde der neue Betriebssitz der Firma Haru in der Seeburger Straße 19 b bezogen. Das 8.000 qm große Gelände wurde mit Investitionen von rund 2 Millionen DM zum modernen Betriebshof auf 15.000 qm erweitert. Es entstanden Garagen, Lager- und Sozialräume in der Größe von etwa 2.500 qm. Moderne technische Einrichtungen, u.a. zwei 36 m lange Arbeitsgruben, ein Bremsenprüfstand, eine Waschanlage und geräumige Werkstatt- und Lagerräume stehen dem technischen Personal für die Wartungs- und Reparaturarbeiten zur Verfügung.
Mit der Gründung der HARU Reisen OHG Hans Rudek wurde 1985 die Übergabe der Leitung der ehemaligen HARU Reisen KG an die zweite Generation abgeschlossen.
Durch den Wegfall vieler bürokratischer Hemmnisse nach der Grenzöffnung und dem Mauerfall 1989 wurde die Durchführung für viele der von HARU angebotenen Fahrten einfacher. So entfielen unter anderem bei den Fernlinienfahrten die komplizierten Grenzübergangskontrollen und bei Tagesreisen die Beantragung der Visa. Für unser Unternehmen eröffneten sich völlig neue Perspektiven.
Seit die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im Jahr 1992 einige der von ihr betriebenen Linien teilprivatisierte, bediente HARU Reisen wieder, wie im Jahre 1945, die Linie vom Rathaus Spandau nach Staaken bzw. heute bis zum Havelpark in Dallgow im Auftrag der BVG. Neben der Linie M32 befuhren unsere Busse auch die Linien 115, 135 und 236 und werden bei Bedarf im Schienenersatzverkehr eingesetzt.
Als Günther Schulze 1996 in den wohlverdienten Ruhestand ging, übernahmen seine beiden Söhne Hans-Jörg und Karsten seine Aufgaben, wobei sich Hans-Jörg Schulze verstärkt im Bereich Stadtrundfahrten engagierte, während Karsten Schulze die Leitung des Betriebshofes übernahm.
Im Februar 1999 verstarb unser allseits beliebter Firmengründer Hans Rudek.
Mit der Einführung von neun besonders emissionsarmen Erdgasbussen im Berliner Personennahverkehr setzte HARU Reisen 2005 ein Zeichen für die Umwelt. Mit der Inbetriebnahme der Busse leistete das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung in unserer Stadt, denn die Busse fahren schadstoffarm, ihr Feinstaubausstoß ist fast null und auch ihr Stickoxidausstoß ist äußerst gering.
HARU ist heute mit seinen 100 Mitarbeitern eines der größten und erfahrensten privaten Busunternehmen Berlins. Die auf 25 Luxusbusse angewachsene Flotte besteht aus modernen Fahrzeugen, die den gehobenen Ansprüchen der Bustouristen gerecht werden.
Auf 400 qm Bürofläche können die Mitarbeiter Linien- und Touristikbuchungen entgegennehmen und bearbeiten und den Omnibuseinsatz organisieren. Die firmeneigene moderne EDV-Anlage schafft zusätzlich die Voraussetzung dafür, dass HARU auch in Zukunft zu den führenden Omnibusunternehmen Berlins zählen wird.
Im Sommer 2005 führten wir als erstes Unternehmen in Berlin den Erdgasantrieb in Omnibussen des innerstädtischen Verkehrs ein. Die Fahrzeuge zeichneten sich durch besonders leise Motorengeräusche und einen umweltfreundlichen Antrieb aus, der den anspruchsvollsten europäischen Abgasstandard EEV entsprach und damit noch umweltschonender als EURO V Antriebe war. Mit Wirkung vom 30.03.2008 reduzierte die BVG den Anteil der durch private Anbieter erbrachten Leistung von bislang 12% auf nunmehr 8% und kündigte u.a. unserem Unternehmen nach 16 Jahren den Beförderungsvertrag. Die Senkung der Quote wurde in dem mit dem Berliner Senat geschlossenen Verkehrsvertrag vereinbart, der der BVG eine Monopolstellung bis 2020 zubilligt. Das Verhalten der Berliner Verkehrsbetriebe zeigt wieder einmal deutlich, wie aktive Klimapolitik im Senat und bei der BVG gelebt wird. Die in den letzten zweieinhalb Jahren eingesparten Schadstoffe im Vergleich zu Dieselfahrzeugen mit gleichem Einsatz und gleicher Kilometerleistung waren erheblich und können aus der entsprechenden Tabelle entnommen werden.
Im Jahr 2011 ist es uns gelungen als erstes Privatunternehmen in Berlin eine Liniengenehmigung innerhalb des Verbundgebietes des VBB zu erhalten. Die Linie BER1 sollte vom Rathaus Steglitz direkt zum neuen Flughafen Willy Brandt führen und stellt eine attraktive Alternative zu den geplanten Verbindungen von Steglitz dar. Nachdem die Fahrzeuge mit einer Investition von 750.000,00 € angeschafft, die zusätzlichen 7 Mitarbeiter eingestellt und geschult waren, wir schon Probe- und Messfahrten auf dem neuen Flughafengelände durchgeführt hatten, die Fahrpläne gedruckt und Werbemedien hergestellt waren, teilte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg GmbH am 8. Mai 2012, also nur 3 ½ Wochen vor dem vorbereiteten Eröffnungstermin mit, dass der geplante Termin am 03. Juni 2012 nicht zu halten sei. Die darauf folgenden neuen Eröffnungstermine, konnten alle nicht gehalten werden und im März 2013 verkündete man, dass die Eröffnung sich auf unbestimmte Zeit verschiebt, da die Probleme und die Anzahl der Baumängel so groß sind, dass niemand in der Lage war einen belastbaren neuen Termin zu benennen. Wir haben daraufhin die Fahrzeuge mit entsprechenden Verlusten verkaufen müssen und konnten leider auch die speziell für diesen Verkehr geschaffenen Arbeitsplätze nicht erhalten. Der bei uns entstandene Schaden in Höhe von rd. 200.000,00 € wird zwar sowohl von den Gesellschaftern der Flughafengesellschaft, also Bundesrepublik Deutschland Berlin und Brandenburg, als auch der FBB bedauert, aber niemand übernimmt für diese unglaubliche Schlamperei die Verantwortung. Die geschädigten Unternehmen werden alleine gelassen und bleiben auf Ihrem Schaden sitzen. Die Regeln ehrbarer Kaufleute spielen bei öffentlichen Unternehmen also keine Rolle.
Ebenfalls im Jahre 2013 erfolgte die Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs in Deutschland, die dazu führte, dass das Verkehrsmittel Fernlinienomnibus/Reisebus eine vollkommen neue Bedeutung im Gesamtverkehrsmarkt erlangte, denn mit der Liberalisierung des Marktes wurden und werden Kundenkreise angesprochen bzw. erschlossen, die bisher sehr selten oder gar nicht gereist sind, weil alle anderen Alternativen (PKW, Zug + Flug) deutlich kostenintensiver waren/sind. Der politische Kompromiss ist mit vielen Herausforderungen für die Branche verbunden, da er auch noch von diversen neu gefassten Europäischen Gesetzen garniert wird. Im Verbund von berlinlinienbus.de haben wir die neuen Anforderungen, insbesondere an die Barrierefreiheit bereits bei unseren Neuanschaffungen konsequent umgesetzt, so dass der Fuhrpark von berlinlinienbus.de heute mit Abstand über die meisten barrierefreien Fahrzeuge verfügt.
2015 ist es uns nach langem Abstimmungsverfahren gelungen eine neue Linie im Verbundnetz des VBB erfolgreich zu beantragen und, im Gegensatz zur Flughafenlinie BER1, auch in Betrieb zu nehmen. Seit dem 1. Juni fahren wir mit unserer Linie A05 vom Bahnhof Zoo über Messe Nord und Heerstraße/Pichelsdorfer Straße zu Karl’s Erlebnisdorf und dem Designer Outlet Center (DOC) in Elstal. Die Linie wird gut vom Markt angenommen und wir sind zuversichtlich, dass diese Linie dann im Jahre 2017 mit der Eröffnung des neuen Berliner Flughafens gemeinsam mit der Linie BER1 vom Rathaus Steglitz zum Flughafen BER ein neues Standbein in unserem Unternehmen bildet.